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Vorstellung der Stipendiat:innen

Im Rahmen des Förderprogramms #TakeCareResidenzen kooperiert das theater wrede + mit dem Fonds Darstellende Künste und unterstützt mit seinem Stipendiennetzwerk flausen+bundesnetzwerk freischaffende Künstler:innen, die durch die Covid-19 Pandemie existenziell betroffen sind. Mehr dazu findet ihr hier.

29 Spielstätten innerhalb des flausen+bundesnetzwerks, und darüber hinaus, unterstützen 348 Künstler:innen bundesweit mit ihrem Know-How bei der Koordintion, Vernetzung und Beratung. Die 12 Künstler:innen und ihre Themen, die wir direkt von der Spielstätte theater wrede + unterstützen, möchten wir euch auf dieser Seite mit ihrem Forschungsthema vorstellen. Zwei Monate setzen sie sich innerhalb des Stipendiums mit ihrem Thema auseinander und werden dabei finanziell unterstützt.


Lisa Sophie Kusz und Elisabeth Pleß von DRANGWERK

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schauspielerinnen und Kolleginnen Elisabeth Pleß und Lisa Sophie Kusz möchten einen Inszenierungs- und Spielstil (er)finden, der auf Freiheit basiert. Ihr Fokus liegt dabei auf feministischen Texten und Thesen. Ihre bisherigen Stücke sind kaum spielbar – meist zu nah, zu interaktiv. Zeit um Basics zu reflektieren, finden die beiden Frauen: Wie definiert sich der Begriff Freiheit im Jetzt und was bedeutet das für ihr Theaterspiel? In zwei Arbeitsmonaten möchten sie empowernde und wütende Texte von Autorinnen über Freiheit und Gleichheit aus verschiedenen Zeiten durchforsten, hinterfragen und mit aktuellen und eigenen Texten kreuzen, um daraus eine eigene neue Theatersprache zu entwickeln, die dem heutigen Feminismus gerecht wird – in all seiner Stärke, Wut, Unabhängigkeit, Verletzbarkeit und seinem Lebenshunger.

Die Schauspielerinnen Elisabeth Pleß (Mitgründerin DRANGWERK) und Lisa Sophie gehören beide zum Ensemble und Label für Darstellende und Bildende Kunst DRANGWERK Köln. Hier werden interdisziplinäre Performances und Bühnenproduktionen an wechselnden Spielorten und Theatern realisiert. Beide verfügen über jahrelange Erfahrungen auf nationalen und internationalen Bühnen von verschiedenen Spielstätten. 

 


 

Veit Sprenger

Wie wird Theater erlebbar im Lock-Down? Wie lässt sich aus Trennungserfahrungen ein Gemeinschaftserlebnis erzeugen? Welche Alternativen zu Streamingangeboten, bei denen die Theateratmosphäre kaum vermittelt wird, gibt es? Wie kann die Abwesenheit von Theater theatral erlebbar werden? Veit Sprenger, Theatermacher und Mentor von flausen+, setzt auf ein bekanntes, reduzierendes Format, das Comic. Den Austausch zur Forschung wird er mit diversen Künstler:innen ausschließlich über den Post- und Briefweg führen. Die Missverständnisse, die durch diese Art der Kommunikation entstehen, werden Teil der Erzählung, ebenso das Warten.

Veit Sprenger ist Gründungsmitglied der Theatergruppe Showcase Beat Le Mot, mit der er seit 1998 Theaterstücke, Performances, Kunstaktionen und Musikvideos produziert. Seit 2018 arbeitet er zusammen mit dem Komponisten Thies Mynther unter dem Label This Machine Kills Musiktheaterstücke. Bei dem Stipendienprogramm flausen+, initiiert durch das theater wrede +, ist er seit sechs Jahren regelmäßig als Mentor tätig.

(Foto: Yvonne Salzmann)


Gudrun H.E.Lelek

Wie sieht das Frauenbild in Märchen und Fabeln aus? Welche Auswirkungen hat das auf heutige weibliche Rollen? Im Rahmen ihrer Arbeit als Regisseurin stellt Gudrun H.E.Lelek immer wieder fest, wie oft sich in den Bühnenstoffen Querverweise und Allegorien zum Märchen zeigen. Dabei bietet dieses Genre Einblicke in die sozialen Verhältnisse der jeweiligen Zeit und bildet gleichzeitig auch psychologische Grundlage familiärer und gesellschaftlicher Strukturen. Insbesondere im Frauenbild, das sich beispielsweise in: Frau Holle; Aschenputtel; Das hässliche Entlein oder Die sieben Schwäne; etc zeigt. Noch immer, trotz moderner Adaptionen in Film und Fernsehen, bleiben die Attribute: fleißig, schön und aufopferungsvoll, mit wenigen Ausnahmen, weiblich. Mit den möglichen Auswirkungen dieses Frauenbilds beschäftigt sie sich in ihrer zweimonatigen Forschungsarbeit.

Gudrun H. E. Lelek tätigte Regiearbeiten u.a. am Staatstheater Kassel, Waldau Theater, Bremen, theater wrede +, Oldenburg, Theater Bremen, Junges Theater Göttingen. Die Künstlerische Leitung der Freilichtspiele Bad Bentheim hatte sie von 2005-2008.

 


 

Brit Bartuschka

Wie erklärt man Kindern ab drei Jahren Wasserknappheit und Klimawandel und bringt sie zum Handeln? Brit Bartuschka möchte den bewussten Umgang mit Ressourcen thematisieren, damit auch jüngere Kinder ein Bewusstsein für das Handeln bekommen und in eine spannende Geschichte verpacken. Im Rahmen des Stipendiums möchte sie erforschen, wie diese Themen bereits in Kinderbüchern aufbereitet wurden und daraus eigene Texte entwickeln.

Die freischaffende Schauspielerin und Performerin Brit Bartuschka studierte an der Folkwang Hochschule in Essen und arbeitet in Oldenburg und in umliegenden Städten bei verschiedenen Kultur- und Theatereinrichtungen. Im theater wrede + ist sie vor allem durch Theaterstücke für die Allerkleinsten bekannt, wie „Die zweite Prinzessin“ oder „Sonne, Wolke, Meer … Bär“.

(Foto: Izabela Mittwollen)

 


Felix Worpenberg und Silvan Stephan

Das theater wrede+ denkt sein Abendprogramm neu. Dabei spielen Freie Theatergruppen aus Niedersachsen eine zentrale Rolle: Wie können durch Gastspiele innovativer, junger Theatermacher:innen spannende Begegnungen mit dem Publikum in Oldenburg geschaffen werden? Silvan Stephan und Felix Worpenberg gehören zu zwei solcher Freien Gruppen: Dem „Syndikat Gefährliche Liebschaften“ aus Quakenbrück und „DIE SOZIALE FIKTION“ aus Hildesheim. Neben tourbaren Bühnenstücken arbeiten sie an site-specific-Formaten und unkonventionellen Events. Letztere entstehen sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum, wie zum Beispiel „Goodbye Norm“ oder die „Tour de Quakenbrück“. Gemeinsam erforschen sie in ihrer TakeCare Residenz, wie eine abwechslungsreiche Programmreihe gestaltet sein kann, die dieses Freie Theater nach Oldenburg holt.

Freier Produktionsleiter und Theatermacher Felix Worpenberg ist Teil des Freien Theaters DIE SOZIALE FIKTION, das vor allem in Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Sachsen aktiv ist. Silvan Stephan arbeitet als Regisseur, Dramaturg und Videokünstler für unterschiedliche Auftraggeber in Deutschland und der Schweiz und begeistert sich neben Bühneninszenierungen vor allem für transdisziplinäre und ortsspezifische Theater- und Kulturformate und die Arbeit mit Menschen ohne Theatererfahrung.

 


Kristina Feix

Stillstand und gleichzeitig rasendes Tempo – Corona hat uns aus der Zeit fallen lassen. Was macht diese Zeitverschiebung mit einer Gesellschaft, mit einem ganz persönlich, was macht es mit der Kunst? Was macht die Kunst mit ihr? Wie kann man mit einer Kunstform in Dialog treten und gleichzeitig Abstand wahren? Mit den Antworten dieser Fragen beschäftigt sich Schauspielerin Kristina Feix im Rahmen ihres Stipendiums. Sie möchte neue Darstellungskonzepte erforschen, die trotz Corona-Auflagen neue Qualitäten aufweisen können. Wo ist die Tür nach draußen, die Dialog auf Abstand und Nähe schafft?

Figurenspielerin Kristina Feix arbeitet seit mehr als 20 Jahren überwiegend freischaffend. Ihre bisherigen Tätigkeiten umfassten Engagements am Puppentheater Halle, Staatstheater Meinigen, Theaterhaus Frankfurt am Main u.a. Darüber hinaus übernahm sie Regiearbeiten für das TJG Dresden, Theater Wrede und für freischaffende Figurentheater in Deutschland und der Schweiz. Sie ist Mitbegründerin vom Theater Lakritz/ Berlin und dem Kranewit Theater, das sie seit 2013 leitet.

 


Joachim von der Heiden

Der Wechsel auf die weiterführende Schule stellt Kinder vor viele Aufgaben und Herausforderungen, z.B. das Kennenlernen neuer Freund:innen. Joachim von der Heiden möchte dabei für Orientierung und Überraschung sorgen: Im Rahmen der Forschungsarbeit entwickelt er ein Format, das die Kinder in ihrem Schulalltag begleitet und sie an unüblichen Plätzen und in ungewohnten Zusammenhängen Kunst-Momente erleben lässt. Wie reagieren Schüler:innen wie Lehrer:innen auf Orte, die plötzlich zu Spielräumen für Begegnung werden? Wie kann ein Spiel mit Ordnungen und Regeln aussehen, das zur Reflexion dazu anregt, welche Ordnungen und Regeln wir brauchen, um Orientierung zu erhalten? Wie ist die Begegnung mit Abstand, Wegvorgaben und Maskenpflicht trotzdem möglich? Die Kinder sollen neugierig werden und spielerisch mit künstlerischen Mitteln und ungewöhnlichen Spiel-Raum-Anordnungen in Berührung kommen und interaktiv aufeinander zugehen.

Joachim von der Heiden, Gründer des theater monteure und seit 32 Jahren künstlerischer Leiter, entwickelt zusammen mit Künstler:innen aus verschiedensten Bereichen Eigenproduktionen für junges Publikum, bei denen die Grenzen zwischen Performance, Schauspiel, Tanz- und Musiktheater und Bildender Kunst fließend sind.

 


Ylva Jangsell

Wie kann man sich als Frau auf einem überfüllten Markt, auf dem eine Schauspielerin/Performerin Ü40 selten gebraucht wird, behaupten? Wie kann sich eine alternde Frau trotz des Verfalls ihres Körpers in ihrem Körper wohl fühlen? Wie kann Sie ihren Stoltz und ihre Stärke bewahren? Ylva Jangsell beschäftigt sich mit Altersdiskriminierung und nutzt dabei ihren eigenen alternden Körper als Ausgangspunkt. Was können ihr Körper und sie im Bereich Tanz und Bewegung noch künstlerisch leisten? Wie kann man trotz schwindender Muskeln und Gelenkschmerzen weiter tanzen? Können wir dem äußeren Verfall entgegenwirken mit innerer Stärke und positive Gedanken? Oder muss es Botox und Psychopharmaka sein um im hohen Alter in unsere Gesellschaft reinzupassen? Eine Gesellschaft in der Lookismus – die Diskriminierung aufgrund von Äußerlichkeiten – ein gängiges Prinzip ist. Im Austausch mit anderen Frauen über 40, 50 und 60 Jahren möchte sie sich mit dem Thema Altersdiskriminierung auseinandersetzen und diese Gedanken tänzerisch und performativ umsetzen.

Ylva Jangsell ist als freiberufliche Schauspielerin/Performerin und Tänzerin und Ausbilderin unterschiedlicher Theaterformen für Professionelle und Amateure, Erwachsene und Kinder aktiv. Sie leitet seit 2004 das mobile Kindertheater „Theater Tüte“ in Hannover.


 

Karl-Heinz Stenz

Schon Dreijährige unterscheiden selbstbewusst zwischen „im Spiel“ und „in Echt“, und wechseln ungehemmt vom einen zum anderen. Das möchte Karl-Heinz Stenz im Rahmen des Kindertheaters und neuen Medien genauer betrachten und an einem neuen Theaterformat für Kinder forschen. Wie kann diese Selbstreferenzialität in Kindergeschichten umgesetzt werden? Sind es Figuren, die entdecken, dass sie Teil einer erfundenen Geschichte sind oder in eine andere Geschichte hineingeraten sind? Wie können dabei neue Medien kindgerecht eingesetzt werden, sodass sie zu inspirierenden Versatzstücken von Fantasiewelten werden und Kinder zum Mitmachen angeregt werden?


Chang Nai Wen

Wie kann ein entspanntes und achtsames künstlerisches Arbeiten aussehen, weit weg von selbstschädigender und leistungsorientierter Produktionskultur? Die Antworten sucht die Regisseurin Chang Nai Wen im Rahmen ihres Forschungsprojekts “UN-LEARNING”. Sie möchte ihr eigenes künstlerisches Schaffen reflektieren und Faktoren ermitteln, die sie zu dem aktuellen leistungsorientierten und selbstschädigenden Handeln gezwungen haben. Welche Zwänge sind selbst auferlegt und welche sind durch das (Arbeits)umfeld bedingt? Welche Entscheidungsmöglichkeiten hätte sie gehabt, aber nicht wahrgenommen? Im Anschluss möchte sie ein neues ganzheitliches Arbeitsmodell aufstellen und die Möglichkeiten für diese neuen Schöpfungsmodelle mit anderen Künstler:innen diskutieren. Wie kann dieses „New Normal“ aussehen?

Chang Nai Wen arbeitet international als freie Regisseurin u.a. in Berlin, Leipzig, New York, Rom, Syros und demnächst Taipei. Darüber hinaus ist sie Mitglied des Lincoln Center Theater Directors Lab in New York, Gründungsmitglied des internationalen Regiekollektivs „World Wide Lab“ (WWL) und seit Ende 2015 Vorstandsmitglied vom Landesverband freie darstellende Künste Berlin (LAFT).


 

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