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Logbuch #7 – Woche 2

Woche 2:

8. Juli
Heute beginnen wir mit den ersten szenischen Versuchen. Wir bauen die Gerichtssituation auf der Bühne auf und benutzen (um das Video besser sehen zu können) die drei Scheinwerfer.

Wir basteln an der „Morseszene“ des Satzes „Alle Kongolesen werden an unsere Freunde angesehen….“ in der Komposition von Mathias Schubert. Ziel ist es, das Publikum am Entschlüsseln zu beteiligen. Während die beiden Musikerinnen die Szene anspielen (als Morsecode, auf einem Ton) ist Konradin als Entschlüsseler tätig, d.h. Er sprich die Buchstaben. Simon klopft den Takt mit einem Bleistift und tippt gleichzeitig, das was Konradin sagt. Das wird abgefilmt und projiziert. Er verschreibt sich oder Konradin entschlüsselt falsch, dadurch entstehen lauter kleine Fehler, die das entschlüsseln für den Zuschauer schwieriger machen.

9. Juli
Am Morgen haben wir die Szene wiederholt, da alle Szenen musikalisch genauer geprobt werden müssen. Dann haben wir uns mit dem auf fünf Minuten verlangsamten Staz aus demselben Funkspruch „Greift die Siedlungen an…humanitäre Katastrophe“ ebenfalls vertont von Mathias Schubert beschäftigt. Wir haben dafür noch keine zufriedenstellende Ästhethik gefunden. In der Setzung, dass Simon den Text unter großer Anstrengung spricht, Kathrin ihn auf der Giege spielt und Lisa das Celllo „hochhält“ als Funkmast hat sich nicht eingelöst, auch nicht als Konradin den Text in die Geige geritzt hat (Live Video). Wir überlegen also, die Szene chorischer zu versuchen morgen, d.h. Beide Schauspieler sprechen und alle vier Musikerinnen spielen, stellt sich die Frage ob das Publikum durch kleine Beschleunigung den Satz durch die Laute den Satz entschlüsseln kann. Kathrin hatte die Idee 10 Geigen als Opferzeugen am Anfang auf die Bühne zu bringen, in die die entsprechenden „Befehle“ zum Angriff eingeritzt sind. Wir hatten weiterhin die Idee, dass die Dramaturgie des Szenenwechsels musikalisch und nicht narrativ sein muss, zwischen den Szenen müssen sich unterschiedliche Energiezustände abwechseln. Wur überlegen Monologe unterschiedlicher Positionen einzufügen, so religiöse Predigten von M, eine Rede von der Verteidigerin A. Gross-Bölting und einen Text vom Akagera e.V. (pro Hutu) swe einen Text aus der Zeit, der die Kongoverbrechen von Leopold umreisst.

Wir haben zuletzt noch eine Anklageszene von Konradin probiert, in der eine Opferzeugin per Video befragt wird, aber nur das Instrument (Cello) antwortet. Ästhetisch stellt es sich schwer her, Mitleid mit dem Cello zu haben, weil es ein statisches Objekt ist. Lisas Kopf durfte nicht sichtbar sein, sonst hätte sich das Cello nicht als Opferkörper aufgeladen. Letztendlich ist aber erst durch das Spiel der Hände (Verkrampfung, zittern, knibbeln) die Emotion entstanden. Der Bruch zur Pause und zum Privaten, in der Zeugenbeistand das Opfer löffelt und beruhigt, während im Gericht über Nichtigkeiten diskutiert ist als Bruch sinnvoll.

10. Juli
am Morgen haben wir noch einmal unterschiedliche Musiken gehört – verschiedene Requiems und Kongolesische Popmusik, bis hin zu minimal Musik inspiriert von afrikanischen Rhytmen. Wir haben uns entschieden, aus einem aktuellen kongolesischen Popsong 6-8 Takte zu transkribieren für das Quartett (als Bausteinmaterial). Sophia will was mit „Komm oh Tod du Schlafes Bruder“ probieren, Konradin mit Arvo Pärt’s „aus der Tiefe“ und wir überlegen „Miserere“ von xx zu benutzen um Murwanashyakas extrem-christliche Vorstellungen des heiligen Krieges szenisch-musikalisch umzusetzen

Dann haben wir Monologe zusammengeschrieben aus unterschiedlichen Quellen, die den Prozess von unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Aus einem Zeitartikel die historische Schuld-Leopold-Perspektive (spielt Simon), aus einem Blogbeitrag von Andrea-Gross Bölting (Verteidigerin von Musoni) die Anschuldigung das Verfahren sei unter deutschen Bedingungen nict juristisch einwandfrei zu führen (spielt Lisa), und aus Markus Frenzels Buch „Leichen im Keller“ die Perspektive, man könne in Deutschland nicht tatenlos zusehen, wie Kriegsverbrechen aus Mannheim heraus verübt werden (spielt Konradin).

Wir haben szenisch einen Anfang probiert, in dem alle Darsteller gelangweilt bis schlafend im Gericht sitzen, sich aus der Langeweile Konradin das Buck von Frenzel greift und dann sich reinlesend immer agitatorischer wird, bis eine dicke Aktenkladde (der UN – laut Frenzels Text) auf dem Richtertisch landet. Simon, der an diesem Punkt den Richter spielt holt dann alle zur Anklage (Chorsatz Schubert) zusammen. Dann verteilen sich zum Paragrafen singen alle wieder auf die Plätze. Die Idee wäre, aus der Gerichtssituation heraus Dinge zu tun, die im Text vorkommen, so schiebt Lisa die Kladde Simon rüber, wenn in Frenzels Text ein UN Diplomat Akten den Deutschen gibt. Ausserdem arbeiten wir hier mit dem bereits vertonten Satz von Murwanashyaka „ Ich bin hier, warum hat Interpol mich noch nicht gefangen, oder festgenommen“, den wir bereits für die Flausen Auswahl letztes Jahr vertont haben. D.h. Aus Monologen basierend auf Originalquellen entspinnt sich ein Spiel der Vertonung, Bebilderung und Dialogfetzen werden gesprochen. (die Gruppe Elevator Repair Service aus NY hat das mal gemacht mit einer ungeschnittene Fassung von The Great Gatsby (7 Stunden). Setting: in einem Büro, es gab einen Vorleser, der das Buch laut vorgelesen hat und die Büroangestellten kamen immer wieder wie zufällig zu Szenen zusammen und verloren sich wieder).

Es folgte dann eine Zeugen-Befragung (szenischer Text aus Taz-Artikel, Lang geht ran), in der der Zeuge die Geige war, also kein Mensch. Die Idee müssen wir noch weiterverfolgen.

Wir haben weiterhin noch einmal neu an der schwierigen Komposition der verlängterten Satzes „Greift Siedlungen und die Zivilbevölkerung an…“ und haben als bis jetzt beste szenische Lösung gefunden dass Simon, der die Laute spricht vorne steht mit Mikro, Lisa und Kathrin flankierend dahinter, die Noten kleben auf Simons Rücken und Konradin beginnt (seitlich sitzend), in dem er den Satz leise flüstern zuerst auf französisch, dann auch deutsch wiederholt. Dadurch wird er verstehbar, wenn Simon ihn „spricht“. Wir haben den Satz auch verkürzt, so dass er leichter verständlich ist. Zusätzlich haben wir einen Aufgang in diese Formation gebaut. Konradin schwenkt/kreist das Mikro, so dass es sich wie näher marschierende Truppen anhört. Lisa und Kathrin kommen auf und zischen ihre Bögen durhc ide Luft wie Macheten. Es entsteht ein Gefühl von Angriff.

Neue Ideen für morgen:

– Aus Opferaussagen aus dem Human Rights Watch bericht etwas machen.(Konradin)

Aus „Komm oh Tod du Schlafes Bruder“ über Live Video die Noten verstümmeln, indem man Tabellen von Opfern irgendwie damit verbindet – übereinander schiebt mit Folien? Dadurch dekonstruiert sich die schön-kitschige Musik.

Lisa ist dabei, von unterschiedlichen Geigenbauern in Bremen, Oldenburg, Kassel alte Instrumente zusammenzusuchen.

11. Juli
Generell ist es bemerkenswert, das Lisa, Kathrin und Konradin durch die intensive Recherche jetzt so „drin“ sind, dass sie in den Figuren inhaltlich richtig improvisieren können. Das macht Spass, das Material ist zwar unvollständig, aber verarbeitet.

Dann haben wir die Morseszene wiederholt, die funktioniert. Anschliessend haben wir an Simons Leopold der 2. Monolog gearbeitet. Er muss gefährlich/wahnsinnig sein mit System (Mischung zwischen Hitler und nigerianischem Preacher), wird von einem wilden körperlichen Ausbruch eingeleitet. Müssen überprüfen, was das beste ist: aggressiv Klischeehaft Kongo oder „im Wahn“ Kongo. Arbeitsstand ist den Monolog nächste Woche zu arbeiten mit der emotionalen Umgekehrtbetonung. Wörter wie plündern und vergewaltigen werden kontrolliert und spitz gesagt, Jahreszahlen und Namen gebrüllt.

Zuletzt haben wir eine neue Szene probiert, eine Art Totenmesse. K ritzt Strichlisten in Geigenrücken, verstärkt durch Mikro und reiht zerstörte Instrumente vorne auf, währen aus dem Duneln Opferaussagen aus dem Human Rights Watch-Bericht gelesen werden, Kathrin liest dazu stoisch aus demselben Bericht Orte, Daten und Opferzahlen vor. Die Opferberichte sind auf die Dauer ziemlich grausig und es ist hart sich das lange anzuhören. Stellt sich uns die Frage, wie lange man sowas durchzieht, extra lange? Ist es zu sehr Faust aufs Auge? Kann das ein Ende sein? Muss oder darf oder sollte man das brechen oder gerade nicht?

Als Prinzip stellt sich klar heraus, dass die Spieler immer wechseln müssen, so dass jeder jeder sein kann.

Am Abend noch musikalische Probe an der schwierigsten Komposition gearbeitet, der Vertonung des O-ton des französischen Satzes „Il est tres important pour les, les, combatants….“ mit zwei Stimmen und zwei Streichern. Umsetzung weiterhin ein Fragezeichen.

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