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Logbuch #4 – Tag 23

24.07.12 / Maike

Wetter: Sommer!
Arbeitszeit: 11:00 – 19:45Uhr
Stimmung: wird
Eindrücklichster Moment: unter der Politikverdrossenheitsburka
persönl. Lieblingswort heute: Glitzerkleid
Utopie: Jetzt viel wässern, die Erbsen brauchen bald eine Rankhilfe
Lieblingszitat: „Wir entwickeln das Konzept, indem wir uns einfach immer missverstehen.“

Es ist Tischtag, respektive Basteltag, weswegen unsere erste Amtshandlung des heutigen Tages im Kauf von Bastelutensilien und vor allem einem Tisch besteht. Wir haben seit Wochen über Tische geredet und heute konkretisiert es sich nun: wir haben uns auf einen Probe-Tapeziertisch geeinigt.

In der Bühne bauen wir das gute Stück in seiner ganzen Länge von 3 m auf und machen uns – nach dem obligatorischen Workout, heute: Body Combat – ans Werk. Wir bilden zwei Gruppen, deren Aufgabe es jeweils ist, die Problematik eines (abstrakten) Begriffs darzustellen. Den Begriff sowie die Materialien gibt die jeweils andere Gruppe vor und so basteln wir (Ulli, Franzi und ich) aus Crèpepapier und Pfeifenputzern die Politikverdrossenheit, während Johanna und Kaja aus Knete, Stecknadeln und Faden die Zeitprobleme bearbeiten. Bei der einen kommt mit der Rundum-Sorglos-Politikverdrossenheits-Miniburka ein eher performativer Ansatz heraus (vgl. Video), bei Kaja und Johanna steht die Präsentation von abstrakten Werken nach Art der Kunstausstellung im Mittelpunkt. Die Meinungen gehen auseinander. Was wollen wir mit den Erzeugnissen, die an den Tischen hergestellt werden? Wohin führt das? Wo läge der Fokus, auf dem Bastelprozess, dem Ergebnis, dem Zweck des Ergebnisses?

Wir setzen beim nächsten Versuch auf Ullis Vorschlag hin eher auf Quantität als auf Qualität und arbeiten nur mit Knete. Innerhalb von 30 Sekunden knetet jeder die Probleme mit Freizeitgestaltung, Familie und Arbeit, Frauenquote, Motivation usw. und präsentiert sein Ergebnis ganz kurz in der Gruppe. Es kommen spannende Dinge dabei herum, man kann sowohl sehr konkrete Dinge kneten aber auch abstrakte, sogar Statistiken. Die Skulpturen reflektieren bereits eine bestimmte Sicht der Dinge und es lässt sich wiederum darüber reflektieren. Wir reflektieren darüber, wie sich über die Figuren reflektieren lässt. Wann kann man aufhören, etwas zu reflektieren? Wo sind die Grenzen der Reflexion? Fällt ein besonderer Knackpunkt oder ein Utopiefetzen dabei ab, kann die Performerin dies notieren oder auch darauf aufmerksam machen. Vielleicht kann man im gegebenen Fall auch mal eine Figur stehen lassen, wenn die anderen weiterkneten…

Kaja merkt an, dass es zur Utopiefindung eigentlich nichts Besseres gibt, als ein gesundes Halbwissen. Das hat sich auch schon im Psychodrama gezeigt. Sind „naive“ Methoden der Schlüssel zur nachhaltigen Utopiebildung?

Wir feilen an der Methode und überlegen, wohin der Weg uns von dort aus führen könnte… und landen schließlich bei den Kostümen. Bereits bei der Grundfrage, brauchen PerformerInnen ein Kostüm? scheiden sich die Geister und Befindlichkeiten. Wir finden (k)eine Lösung, indem wir uns einfach einmal in die Kleider werfen, die wir uns am selben Morgen von Mareike aus dem wrede-Fundus haben geben lassen und die ich in diesem Protokoll bis jetzt komplett unterschlagen habe. Franzi steht der Flitter-Overall uglaublich gut, Johanna wird mit Pailletten zum Angelina Jolie verschnitt, Ulli sieht im kleinen Schwarzen extrem elegant aus und mit wird zur schwarzen Robe noch ein Pelz um die Schultern drapiert, der mich zur nächsten Bambi-Moderatorin qualifiziert. Wir freuen uns, verwerfen die Idee jetzt jedoch endgültig und beschließen, für das Making of erstmal auf eine legere Kombination aus Funktional und Glitzer zu setzen.

 

 

 

 

 

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