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Logbuch #4 – Tag 21

20.07.12 / Maike

Wetter: nahezu trocken, leicht bewölkt mit einzeln hoffnungsvollen Sonnenflecken
Arbeitszeit: 13:30 bis 20:00 Uhr
Stimmung: Amazement
Eindrücklichstes Bild: Till steht als „die Finanzmärkte“ im Psychodrama und hat größenwahnsinnige Anwandlungen
persönl. Lieblingswort heute: Kitsch
Utopie: braucht mal wieder Sonne
Lieblingszitat: Finanzmärkte: „Ich bin quasi die neue Natur.“
nicht gemacht: Berufe tanzen

Nach langer Pause wieder einmal ich am Logbuch. Ich gebe zu Protokoll: ich bin beruhigt, dass das Los mich nicht schon wieder ausgespart hat.

Nach einer Woche, in der wir (in mehr als einem Sinne) viel geschwommen sind, herrscht nun das Gefühl vor, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ziemlich soliden Boden sogar, dafür, dass zwischenzeitlich nicht allzuviel Land zu sehen war. Ich warne vor: dieser Einrag versucht eine Zusammenfassung und wird entsprechend lang.

Unser Mentor Till war heute da zum gemeinsamen Besprechen und Proben. Wir fassen für ihn zusammen, was wir bisher Neues gemacht haben und in welche Richtungen wir unser theatrales Assessment Center zuspitzen wollen. Aus den Eindrücken aus der vorigen Woche und den Splittern aus der aktuellen setzt sich im Gespräch zusammen, was wir so im Ganzen doch noch nicht sehen konnten, es klingt gar nach einem schlüssigen Gesamtkonzept. Ich versuche eine Bündelung.

Was bisher geschah: Wir entschieden, das Planspiel wegzuwerfen und eher in Richtung Assessment Center weiterzudenken, ein theatrales Assessment Center mit der Leitfrage, „Wo stehst du in der Arbeitswelt von morgen?“ wir sehen das Publikum in Gruppen eingeteilt, die Skills irgendwo zwischen seriös und spielerisch abgefragt. Ein Gläschen Sekt zum Einstieg finden sich die ZuschauerInnen selbst in Teams; ODER werden sie von uns eingeteilt? Welche Eigenschaften werden evaluiert? Wann kommen die Playmobilmännchen ins Spiel? Dann geht es an Tische, an denen weiter assesst wird. In passenden Situationen bedienen sich die Performerinnen der floating Szenen, die wie Bausteine ins interaktive Setting gesetzt werden können…

Till fragt uns, was genau wir an den Tischen assessen. Welche Eigenschaften genau wir vom Publikum erfragen. Wir wissen es noch nicht genau. Till fragt, was das Hauptprodukt ist, wenn die Utopie das Nebenprodukt ist. Wir wissen es noch nicht. Till fragt, ob die Menschen denn am Ende wissen werden, wo sie in der Arbeitswelt von morgen stehen werden. Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Wollen wir den Wettbewerbsgedanken der Teams noch verstärken? Nein, eigentlich nicht, das werde eh passieren.

Wo sich in den Details Lücken auftun, zeigt sich aber auch: es handelt sich bereits um ein Gesamtgerüst, in dem die einzelnen Teile dramaturgisch ziemlich schlüssig wirken. Die Teams könnten sich für die einzelnen Themenbereiche bewerben müssen und eine Art Corporate respektive Tisch Identity bekommen. Wie charming müssen wir sein, damit die Teams sich überhaupt bewerben wollen? Aus der Gemeinsamen Arbeit an den Tischen und unseren Beobachtungen spinnen die Performerinnen die Utopie für den Showdown. Es könnte eine Showdown geben. Es wird einen Showdown geben. Till ist verwundert, dass wir Strukturen erstmal ohne Inhalte entwerfen und dass es wohl funktioniert.

Im Anschluss holen wir nach, was Mittwoch aufgrund des krankheitsbedingten Ausfalls nicht zu machen war: Psychodrama mit verschiedenen Modifikationen. Zunächst stellen wir meine Probleme mit der Arbeit in der Freien Szene durch und finden einen Lösungsansatz, wie ich mich mit meinem Ehrgeiz vertragen kann. Im Anschluss folgt Hamlet und wir spüren u.A. einen alternativen Handlungsverlauf auf. Liegt es daran, dass wir die Handlung alle grob kennen oder ist die Methode tatsächlich so akkurat, dass sie die „wahrscheinlichen“ Verläufe reproduziert?

Als letztes eine Aufstellung mit selbstgewählten Protagonisten, um Zusammenhänge zu analysieren. Cast in alphabetical order: Franzi – die Durchschnittsbürger, Johanna – die Presse, Till – die Finanzmärtke, Ulli – die Wirtschaftsweisen. Das Verfahren bricht Ist-Zustände runter, betrachtet Ausschnitte, macht dabei sehr anschaulich deutlich, was das Dilemma sein könnte. Auswege nicht ausgeschlossen.

Das wohl wichtigste Fazit: Es macht allen Spaß. Niedrigschwelliges Spielen ohne peinlichen darstellerischen Impetus funktioniert für alle.

Nach einer Pause wagen wir uns an die Themengebiete/Tische, die wir mit den Teams später bearbeiten wollen. Im Brainstorming zeigt sich, dass viele Themengebiete sehr unkronkret sind und sich zudem permanent mit vielen anderen überschneiden. Ulli schlägt vor, die Abstrakta wie z.B. Frauenquote zu Töpfern. Die Meinungen gehen auseinander, das Handwerkliche gefällt, im Detail hakt es noch. Vielleicht also doch lieber die McGyver-Methode? „Basteln Sie aus diesem Draht, einem Stück Ton, einer Zuckerstange und Wolle die Arbeitsteilung.“ Werden die Skulpturen dann weitergereicht? Wir sind uns einig: Basteln – so wie alle Schritte des AC – macht dann Sinn, wenn es zu etwas führt.

Zum Tagesabschluss ein Brainsotrming zum geplanten Showdown. Huschi Puh Puh Licht ist gekauft. Ansonsten wird es groß und kitschig. Aber gut kitschig. Wir machen Theater, wird dürfen das.

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