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Logbuch # 17 – Woche 3

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Interaktion / These: Es ist alles da, man muss es nur sichtbar
machen.
Diese Woche stand unter dem Thema Interaktion. Wir haben versucht die
Arbeitserkenntnisse und Forschungsergebnisse zusammenzubringen und komplexe
Wahrnehmungsräume zu erarbeiten. Zum einen hat jeder eine Strategie der
Narration entwickelt – Wie können die Dinge von sich selber erzählen und wie lege
ich eine Figur an? Und zum anderen haben wir gemeinsam an einem ersten Versuch
zu einer Theaterinstallation gearbeitet – ein Büdchen, dass die Atmosphäre einer
Gartenlaube entstehen lassen kann und in dem wir szenische Anlagen und
musikalische Ansätze probieren wollen.

EXPERIMENTE Erzählstrategien

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Kleiderschrank
– unter der Tribühne ein schmaler, etwas niedrigerer Gang
– an beiden Seiten waren Kleider (Kittel, Kleider, Pullover, Strickjäckchen) an
Kleiderhaken gehängt
– Licht wurde mit dem Overheadprojektor in den Gang geworfen
– aus den Kleidern kamen vereinzelte menschliche Laute– Gähnen, Räuspern,
Atmen
Wahrnehmung/Rezeption/Feedback:
– es war eine gewissen Abwesenheit zu spüren
– es kommt die Frage auf, ob die Klamotten zu einer Person gehören – Einheit der
Kleider (gleiche Größe, ähnliche Muster etc.)
– Wer hat das angeordnet? Wie eignet man sich das Material an?
– Hängung war recht pur, schlicht
– in sich gestalteter Raum, aber ohne dass er sich komplett vom
Kontext/Bühnenraum löst

Audiowalk
– im Foyer
– Zuschauer/-hörer bekommt Kopfhörer aufgesetzt und eine Stimme spricht und lenkt
den/die Hörende(n).
– die Stimme/Figur fordert den/die Hörende(n) auf den Raum wahrzunehmen, wie
dieser auf ihn/sie wirkt.
– die Stimme führt den/die Hörende(n) zu verschiedenen Stationen im Raum um dort
Dinge genauer zu betrachten und Fragen zu stellen. Diesen Dingen sind über die
Audioebene Geschichten zugeschrieben. Wie kamen die Dinge hierher? Standen sie
schon immer hier? Betrachte alles genau! Was denkst Du?- Geräusche die den Ort und bestimmten Dingen innewohnen werden über die
Kopfhörer wahrgenomme. Dabei hört der/die Hörnende Geräusche die in einer
anderen zeitlichen Ebene an diesem Ort stattgefunden haben ebenfalls, wie die zur
aktuellen Zeit stattfindenden Geräusche aus der „Realwelt“.
– Der/die Hörende wird aufgefordert Kleider anzuziehen und Dinge anzufassen und
schlüpft so selbst in die Rolle einer fiktiven Person.
– Musik unterstützt die Stimmung und ruft die Atmosphäre im Raum hervor.
– Am Ende wird der/die Hörende im Raum alleine gelassen. Die Atmosphäre soll
weiter wirken.
– verschiedene Arten der Ansprache: Zitate über Atmosphäre, Wahrnehmung und
Dinge oder direkte Ansprache, Aufforderungen, Musik
Wahrnehmung/Rezeption/Feedback:
– Spiel mit dem Raum mit den Zeitebenen
– Interessante Figurenanlage – Zuschauer als abwesende Person?
– Sound ist stärker als die Dinge – mehr Leerstelle lassen, damit man selbst fühlen
kann? Man ist eher bei der Stimme als beim Ding
– Wahrnehmungsanleitung

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Guckkasten-Wahrnehmungsraum / Tieraltar
– Ein Karton in den man seinen Kopf strecken kann und in eine Atmosphäre eintaucht
– Arrangement aus kleinen Deko-Tieren, Plastikblumen, Bildern von Tieren in einem
mit gelben Vorhang ausstaffierten Umszugskarton
– gelbes Licht
– muffiger Geruch
– leise verhallte Volksmusik – eine Frauenstimme benennt die Tierchen (Froschli,
Berta die Kuh, das Schnabbelchen usw. )
Wahrnehmung/Rezeption/Feedback:
– Abwesenheit war stark spürbar
– hohe Konzentration –
– ist die Sprache nötig? Reicht auch die Musik?
– Was vermittelt die Sprache? – sie lenkt den Blick, in der Stimme zeigt sich eine
Figurenanlage
– Nippes hat eigene Kraft – unheimlich
– Geruch ist sehr eindrücklich
– der Zeitfaktor war wichtig – wie lange setzt man sich mit dem Raum auseinander?
Nach dem Zeitpunkt, wo man meint den Raum erfasst und „verstanden“ zu haben,
trotzdem noch weiter sich dem auszusetzen und dann nochmal eine andere
Wahrnehmungserfahrung zu machen.

KlangDingKette / Klanglauf der Dinge
– Momentaufnahme einer Dingkomposition (Stillleben)
– dazu Geräusche der Dinge – zum Teil nach einander zum Teil parallel laufend
– einen Verlauf erzählend – Kettenreaktion. Ein Ding antwortet auf das vorherige- Assoziation vs. Geräuschhaftigkeit
Wahrnehmung/Rezeption/Feedback:
– Bezug zu den Dingen sehr stark – Klänge zum Teil eher fremd bzw. nicht
zuordenbar
– abstrakt – Bilder entstehen im Kopf
– Dinge treten in Kommunikation miteinander – erzählen von einem Davor
– Raumpräsenz – Raum im Raum – es entsteht eine Reibung/Spannung zwischen
dem Stillleben, der verwendeten Aufnahme-Technik(Mikros, Kabel, etc.)/ Garderobe
– offensichtlich gestalteter Raum in einem besetzten Raum, der mitklingt und dessen
Eigenschaften (Form/Akustik) mit in die Installation einfließen

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LEKTÜRE
Theaterinstallationen // Barbara Gronau
– „Oszillieren zwischen „ausstellen“ und „aufführen““
– Installationskunst – Materialien, Medien, Sounds und Objekte werden in räumliche
Ensembles zusammengeführt, die den Charakter von Inszenierungen tragen
– „Die Besucher treten nicht nur einem Objekt gegenüber, sondern in eine Situation ein, das
heißt sie erfahren sich als Bestandteil eines architektonischen, atmosphärischen und
sozialen Beziehungsfeldes.“ /Aufhebung der Trennung zwischen von Bühne und Publikum
bzw. von Zuschauern und Akteuren zugunsten eines gemeinsamen Wahrnehmungs- und
Handlungsfeldes
– „In Theaterinstallationen ist der Raum mithin nicht mehr bloß rahmender Hintergrund,
sondern kommt selbst zur Aufführung.“
– Raumbegriffe: „Ob als Erfahrungsraum, Erlebnisraum, Verdichtungsraum oder
Gestaltungsraum: Die Aspekte der Wahrnehmung und des Handelns bilden wiederholt die
Knotenpunkte der divergierenden Raumbegriffe des 20. Jahrhunderts.“
– Versuch der Definition Installation: Installation als Mittel zur Auslösung eines
Erfahrungsprozesses
– „Erst im Aufeinandertreffen von Wahrnehmendem und Wahrgenommenem realisiert sich
das künstlerische Werk bzw. die Aufführung. Dabei ist mit Situation nicht allein eine
räumliche Lage (in situ), sondern ebenso ein zeit-räumlicher Zusammenhang von
Personen, Elementen und Sachverhalten zu verstehen, in dem und zu dem sich das
Subjekt verhalten muss.“
– Installation: Raum, Bewegung, Körper, Materialität, Handlung
– Gell: „In dem Maße, wie Dinge solcherart den Status von sozialen Akteuren einnehmen,
verschiebt sich auch das ihnen innewohnende Potential in künstlerischen Prozessen. Ihre
Wirkung beschränkt sich nicht allein auf visuell codierte Bedeutungen, sondern auf die von
den Dingen ausgehenden transformativen Effekte.“
– Objekte ersetzen nicht einfach die einst lebenden Personen, sondern verkörpern in der
archivarischen Ordnung zugleich deren Ding-Werden im Rahmen institutioneller
gesellschaftlicher Praxis.
Beseelung der dokumentarischen Reste durch formale und atmosphärische Mittel,
Aussicht auf eine Wiederauferstehung im Akt des Ausstellens und des Erinnerns
– Kabakovs Arbeiten mit Illusions- und Bühnencharakter: die totale Installation als der „Ort
einer stehen gebliebenen Handlung, ein Ort, an dem sich ein Ereignis begeben hat, gerade
begibt oder begeben kann.
„Atmosphäre kann zur wichtigsten handelnden Person werden, zu dem, was der
Künstler zeigt, wenn er beschlossen hat, vor ein Publikum zu treten. Er zeigt nicht
etwas Dingliches: ein Objekt, ein Bild; genauer gesagt: nicht nur dies, sondern vor
allem die Lücken zwischen den Objekten, die Intervalle, Leerstellen, Ecken, Kurven,
Abstände – kurz, die schiere Luft um die Gegenstände.“
Merkmale der Theaterinstallation: Herstellung eines gleichberechtigten
Nebeneinanders von Medien, Materialien, Klängen, Objekten und Subjekten, und die
Kreation eines räumlichen Parcours, durch den sich die teilnehmenden Besucher
bewegen. Im Ergebnis dieser Kombination entsteht eine Aufführung, die auf
spezifische Weise ihre künstlerischen Quellen – die Installationskunst und das
Theater – überschreitet.

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GEDANKEN // FRAGEN
– „Passepartout eines Lebens“ – Bedeutung:
Passepartout als Rahmung, Ausschnitt, Blickwinkel auf ein Leben
eine Rahmung kann und will nie das Ganze erzählen, lenkt den Fokus
„Passepartout eines Lebens“ – könnte sich auch auf die Rahmung, die sich die Menschen
in Form ihrer Wohnungseinrichtung geben beziehen
– Dinge – Leben – eigenes Leben (Selbstbezug des Zuschauers, Publikums)
– Mensch und Ding – Erzählen die Dinge über den Menschen? Erzählen die Dinge den
Menschen?
– Schlüsselmoment einer Praxis des Performativen: Ambivalenz zwischen der
Objektivierung von Subjekten in dinghaften Relikten und ihrer Re-Subjektivierung durch
die Rezeption des Betrachters
– Boris Groys: „Es sind einfach Dinge und Gegenstände, die ich auf die Bühne hole oder
in die Installation. Erst indem die Dinge in eine gewisse zeiträumliche Ordnung gebracht
werden, produzieren sie Bedeutung.“
– Archiv – Aleida Assmann: „Objekte ersetzen nicht einfach die einst lebenden Personen,
sondern verkörpern in der archivarischen Ordnung zugleich deren Ding-Werden im
Rahmen institutioneller gesellschaftlicher Praxis.“
– Publikum – Was soll der Betrachter erfahren? Was erfahre ich? Warum soll ich was
erfahren? Warum soll ich nichts erfahren?
– künstlerische Auseinandersetzung:
Wer beschäftigt sich mit dem Material? Warum die Beschäftigung mit genau diesem
Material?
Rekonstruktion oder künstlerisches Aneignungsverfahren?
Rekonstruktion – Fiktionalisierung?
-Konstruktion und Dekonstruktion eines Bildes eines Menschen // wir konstruieren Bilder,
wir schaffen Lesbarkeiten, wir dekonstruieren diese wieder und machen neue… // Bilder
entstehen lassen – wieder zerstören, sich ein anderes Bild machen…
– Wie kriegt man als Künstler den Kontext wieder hergestellt? Wie inszeniere ich den
Menschen? Wie generiere ich den oder einen Inhalt?
Unser Interesse: Der Umgang des Menschen mit Dingen als kulturelle Praxis – Was
bedingt uns? Was sagt die uns umgebene Dingwelt über uns aus?
– Dinge verweisen auf die Struktur der kulturellen Ordnung – Was wird ausgehoben? Was
archiviert? Was ist wertlos? Was entbehrlich?
Rückschlüsse über kulturelle Werte und Sinngebungen

Interessante Versuche:
– Wie werde ich Irmchen? Häuschen als Theaterinstallationen
– Raum als Hauptakteur – Dinge führen sich selbst auf, wir als Sichtbarmacher des
Raums/Klangs… (Stifters Dinge…)

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