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Logbuch # 17 – Woche 2

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“
(Eichendorff)

Musiktheater bruit

Ekstase des Dings / These: Den Dingen haften die Geschichten an.
In der zweiten Woche konzentrieren wir uns auf das Ding und widmen uns den Gegenständen und Möbeln, die wir mit der Haushaltsauflösung erstanden haben. Wir untersuchen was Gernot Böhme meint in seinem Text zu Atmosphären, wenn er von der “Ekstase des Dings” spricht. Wie wirken Form, Material, Struktur, Volumen und Klang eines Objektes im Raum? Welche Wirkung haben die Dinge auf uns? Was für Assoziationen bringen sie hervor und was für Geschichten können sie erzählen? Durch das Arrangieren, Kombinieren, Inszenieren, Ausstellen und zum Klingenbringen wollen wir die Beschaffenheit und Wirkung der Gegenstände des von uns erstandenen Haushalts erforschen. Was gibt es für Formen der „Bespielung“? Wie kann man das erzählerische Potential der Dinge ausschöpfen?  Wie wirken die Dinge im Raum, wie bestimmen sie die Atmosphäre? Wie nehmen wir sie wahr?

Experimente

Musiktheater bruit

Ding-Adjektiv-Klang-Strategien:
Klanglichkeit des Dings – Klang kommt von den Dingen beim agieren
Klangverstärkung
Klangübersetzung aufs Instrument (Stofflichkeit)
Trennung vom Raum und Zeit (Hier und Jetzt) durch vorher aufgenommen Klang (Inszenierungsmittel)  ermöglicht Assoziationen
Ist es wirklich das Ding was da klingt? Kann das Ding überhaupt klingen?
Klang als erweitertes Bild
Mikro als Transformationsmittel
Lösung des Klangs vom direkt-entstehenden
Kann man jedes Adjektiv inszenieren?
Gibt es Dinge die Adjektive schon in sich haben ohne dass wir sie animieren?

Musiktheater bruit

Interaktion mit mehreren Dingen zu einem Adjektiv:
Inszenieren der Unterschiedlichkeit/Charakter
Verschmelzung der Dinge
Dinge werden automatisch ins Verhältnis zueinander gesetzt auch wenn sie unbespielt bleiben – ergeben eine Szene
installative Kombinationen mehrerer Dinge zu einem neuen Ding
Jedes Ding hat seine spezifische Atmosphäre – in der Kombination erfährt es eine neue Atmosphäre

Musiktheater bruit

Ding Beschreibung (ohne dass die anderen es sehen):
ausgewählte Wortwahl bestimmt das Erkennen
Funktionsbeschreibung (macht es sehr klar) vs. Funktionsumschreibung
Nicht Benennung des Dings
Funktion/Form/Farbe/Charakteristik/Temperatur/Struktur
Manche Beschreibung führen zu Desorientierung…. Rätsel, Gestaltungswillen, Poetik
Kurze Beschreibung hilft dranzubleiben
Dinge erzählen von sich (Ich-perspektive) – eigene Zeitlichkeit… Dinge sprechen über sich – Eigenleben der Dinge
Bei Ich-Perspektive = Vermenschlichung von Ding (Fühlen, Denken) – verändert Zuschauerperspektive
Vergleichen – ich (Ding) sehe aus wie…

Musiktheater bruit

Ding-Installation-Dia
Bilder inszenieren
Figuren/Symbole aus mehreren Dingen gebaut … + Add ons
Dinge zum Leben erweckt, Situationen kreiert.
Charaktere entstehen – liegt im Betrachter.  Wenn man will kann man in jedem Ding etwas menschliches/figürliches entdecken.
Ausstellungsfläche – macht Ding zur Skulptur / Stillleben
Isolation von gewöhnlicher Zweckgebundenheit – Kunstakt
Sie werden zu poetischen Objekten
Artfremde Teile gehen neue Verbindung ein
Fotografieren der Objekte digital + analog – Transformation ins fotografische Bild geschieht nicht umstandslos . Man denkt Foto mit, verlässt den Raum des Objektes. Ding wird imaginiert auf Papier. Betrachter sieht Foto durch die Linse des Fotografen. Fotografiertes Ding Ist auf Papier mit multiplen, teilweise gegensätzlichen Bedeutungen aufgeladen. Bild dokumentiert Ding in einem bestimmten Raum-Zeit-Moment.

Musiktheater bruit

Stop-Motion-Film /Bewegter Film
Versuch: Narrative Momente über bewegte Bilder
Versuch 1: Rennen von Objekten
Objekt werden zu Subjekten -> Eigenleben der Dinge, beleben.
Jedes Dingsubjekt ist individuell
Intuitiv das schwächste/kleinste Ding gewinnt.
Man hat Sympathie mit bestimmten Dingen
Bestimmte Dinge bieten sich für bestimmte Bewegungen an… (manche Figuren haben Schachspiel ähnliche Formen)

Versuch 2: nicht figuratives Ding soll belebt werden – Tücher
Material vs. Semiotik – Phänomen (versuche ich in allem etwas zu sehen oder lasse ich das Material auf mich wirken)
Sinnlichkeit des Materials
Assoziationen: Gebirge, Tier, etc.
Musik auf Film große Wirkung auf Bilder, auch eher assoziativ verwendet… Bewegungen werden fließender und geheimnisvoller – Unterstütz Eigenleben dieser Dinge

Versuch 3: Dinge durchs Bild fahren lassen ohne den Auslöser zu sehen – Autobahneffekt
Versuch 4: Dinge durch den Raum schieben und bewegen ohne den Bespieler komplett zu sehen. Nur Hände ohne Kopf.
Objekt verliert an Selbstständigkeit
Objekt ist wie kleines Kind – hilflos
Bespieler wird selber zum Objekt – verliert Menschlichkeit

Zum DING – Theorieblock:
Nur das original hat Aura
durch Reproduzierbarkeit gibt’s kein original mehr – durch neue mittel aber nicht nur kopieren… sondern auch etwas eigenes entsteht… W. Benjamin
Aura = Atmosphäre des Dings…. leere charakterlose Hülle seiner Anwesenheit
Aura ist auch etwas Naturbehaftetes…. Aura atmen.
Aura spüren heißt = in ihrer eigenen leiblichen Befindlichkeit  zu spüren aufzunehmen

Ekstase der Dinge Böhme:
Ding verhält sich immer zum Raum… nimmt ihn ein
Spüren heißt = wie befinde ich mich in einer Umgebung, wie ist mir zu Mute? – Momenthaftigkeit
Eigenschaften eines Dings:
Bestimmung (Geruch, Klang, Farbe,…)
Das Ding ist untrennbar verbunden mit seiner Wahrnehmung
Kant: man muss das Ding nach all seinen Bestimmungen denken – die Frage nach der Existenz des Dings
Böhme: Ding ist unabhängig von seinem Dasein…
Ekstase = die Weise eines Dings, die Präsenz ihrer Anwesenheit.
Primäre Ekstase = bezieht sich auf Farbe, Geruch, Klang, … primär erfahrbar – Ding als Ding
Sekundär E. = Ausdehnung der Form, wie sich Form im Raum ausbreitet, Wie ein Ding in die Umgebung strahlt… Ding im Raum

Flusser – Dinge:
1. Apparate: hohe innere Komplexität, Resultate hoher geistiger Disziplin, stehen in keinem Verhältnis zu ihrer äußerst armseligen Erscheinung/ Leistung  z.B. Fernseher, Auto, Tonband
2. Dummes Zeug – sind verbraucht, beiseite gelegt, aber in meiner Umgebung zu verachtende Dinge (Mitgliedskarte, zerbrochene Pfeife, Zahnbürste…) – es ist schwer auf solche Weise zu achten.
3. Werte: Dinge die man schätzt, weil sie teuer sind durch Aufwand an physischer, wirtschaftlicher, geistiger, emotionaler oder anderer Energie, die man in sie investiert und die in gewisserweise akkumuliert – kann sie nicht entbehren… z.B. Haus, von einem Freund geschenkte Bild… – es geht nicht darum warum ich sie schätze sondern wie ich sie einschätze.
4. Natürliche Dinge: Luft, Wasser, Tiere…
Dinge lassen sich nicht klassifizieren
Dinge in meiner Umgebung sind meine Bedingung – bilden nur den Augenblicklichen Umstand ab – werden ständig bewegt oder bewegen sich…. somit muss ich immer in anderen Umständen leben und unter neuen Bedingungen…
Tendenz: Apparate unter den Dingen nehmen überhand… Werte werden immer rarer —- dummes Zeug wird zu Müll!

Beispiel Flasche:
ist die Flasche (Hülle) wichtig für den Inhalt? Z.B. bei Sekt
entspricht Form der Flasche dem Inhalt?
Wie beeinflusst die Form der Flasche den Genuss
Flasche als Denkmal für das Trinken
Ausgestellte Flasche – ästhetische Funktion – ist Projektionsfläche der Vergangenheit
Umnutzung von Flasche: Fähigkeit von Dingen sie neu zu sehen… sich zu verweigern gegen ihre eigentliche Nutzung, Bedingung.

Zukunftsform von Dingen:
1. Natur – vorhersehbare
2. Abenteuer – unvorhersehbare

Vergangenheitsform von Dingen:
Kultur – Archiv, durch Gedächtnis vergegenwärtigbare Vergangenheit
Abfall – form des Vergessens

– Abfall bedingt uns immer mehr (Ökologie, Tiefenpsychologie) – Im Müll graben, radikale Archäologie

– Weggeworfenes = aus der Kultur ausgeschieden/Abfall/ Wert verloren… entropisch desinformiert, aber noch nicht in Natur überführt.

– wir sind immer mehr von verdrängten Bedingtheit bedingt.
– Menschen sind besser Sachen zu produzieren als sie zu verbrauchen

Müll:
hat weder Form noch Wert = ist nicht Kultur
ist nicht wertlos / formlos wie Natur
Antikultur = weil es einfach ist und nicht sein soll
Antinatur = weil es von einem Sollen zeugt, das der Natur aufgedrückt wurde
ist nicht Zukunft ist Vergangenheit

Von Dingen und Menschen (Sammelband)

Was bedeuten Dinge für den Menschen?

Welche Vorstellungen sind mit ihnen verbunden?

Welche Gefühle lösen sie aus?

Welchen Gebrauch macht der Mensch von ihnen?

Welche Nutzen zieht der Mensch aus dem Gebrauch?

es gibt öffentliche und private Dinge
gelungenes Leben am Besitz von Dingen festmachen
Dienen der Vergesellschaftung des Menschen aber auch Verdinglichung der Gesellschaft (Materialismus)
Nicht mehr „ich bin was ich denke“ sondern „Ich bin was ich besitze“ (Neuzeit) unabhängiges Wesen von Gott… Besitz stellt das i c h dar, ist Identität.
Besitzbürger hängt sein leben an tote Dinge und wird dadurch von ihnen existenziell abhängig.
Aber Dinge erweitern den menschl. Horizont – was sagen Dinge über die Person aus? Haben auch positive Wirkung auf Menschen
Dinge sind materialisierte Handlungs- und Erlebnispotenzial, die einer Realisierung bedürfen um wirksam zu werden.
Als Anreize für Entwicklungsprozesse
Ökologisch, ökonomisch, technisch, kulturell, gesellschaftlich, ästhetisch, psychisch,
Wir reagieren nicht vorrangig auf physikalische Beschaffenheit der Dinge sondern darauf, was sie uns bedeuten – dabei spielen kollektive und individuelle Deutung eine Rolle.  (divergieren, konvergieren)
Dinge = materielle Kultur, als Spiegel unseres Selbst
Ding und Mensch als ein soziokulturelles System – Dinge vermitteln zw. Menschen, bedingen mit wem und wie Menschen untereinander in Beziehung treten. – Weil Menschen Dinge einsetzen um dasselbe zu tun.
Menschen vermitteln zw. Dingen – zusammenstellen von Ensembles aus denen ihre Dingliche Umwelt besteht
Menschen erfinden und produzieren Dinge durch deren Aneignung sie sich selbst erfinden und produzieren.
Konsumkapitalistischer Haushalt besitzt rund 10’000 Dinge

Musiktheater bruit

Umordnung der Dinge
Dinge ständig Umordnung und Umwidmung unterworfen
Dinge = Garant für Präsenz durch Materialität und Partikularität.
Erscheinen uns als reinste Form von Objektivität – des Seins
Erscheint als 3dimensionales Ding als Zustand ohne Bedeutung
Gebrauchsgegenstände, Schaustücke, heimlicher Fetisch, Teil eines Sammelsuriums,
Sie werden gebraucht, gehütet, gepflegt, weggeworfen, betrachtet, bestaunt, ignoriert, registriert, gezählt, archiviert,
Bedeutung nur aus dem jeweiligen historischen und kulturellen Kontext verständlich.
Lesbarkeit nur in Zusammenhang  mit Subjektbezogenen Kategorien des Welt-  und Werteverständnis gegeben.
Können vom handhabenden Subjekt beschrieben werden oder im Hinblick auf Kultur deren Bestandteil sie sind.
Können im Kontext anderer Dinge oder isoliert wahrgenommen werden.
Dinge zur Selbstrepräsentation – Aneignung der „richtigen“ Objekte – Selbstordnung.
Dinge haben Eigenleben erzeugen Bedeutungsüberschuss – können immer wieder umgedeutet werden
Dinge erzählen Geschichten
Dinge Repräsentieren das Subjekt und funktionieren als Projektion derer die sie besitzen und begehren oder als ihr Alter Ego und erzeugen Überschuss an Materialität oder Dinghaftigkeit der nicht im Dienst des Subjekts aufgeht.
Was ist wertlos, was ist entbehrlich – Lässt Rückschlüsse auf kulturelle Werte und Sinnbildung ziehen.
Ideeller -(symbolischer) Wert vs. Tauschwert
Dinge können Herrschaft über Subjekt übernehmen – Fetisch
Ausstellen, Schauen, Erzählen – erzählt über Kultur und kulturelle Ordnung etc.
Dingwahrnehmung bezieht sich bisher auf visuelle Modi
Narratives: Dinge sind Geschichten, die sich als Dinge maskiert haben.
Produzieren und reflektieren Erzählungen die eine Ordnung der Dinge jeweils in Bezug auf das ordnende Subjekt erstellen.
Dingerzählung lässt Objekt zu Subjekt werden.

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