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#47 we adore chaos because we love to make order Woche 2

Woche 2

Die Arbeitssituation ist unverändert. HM und TP befinden sich in Oldenburg, AB und AKK sind per Computer zugeschaltet.
(Aus unserem Mentoring-Gespräch mit Veit über die letzte Woche) Inwieweit ist Schönheit politisch? Ideologisch? Gertrude Stein sagt „alles Neue muss hässlich sein“. Hanna sagt „Schönheit muss man pflegen. Sonst verkommt sie.“ Der Begriff Gegenschönheiten taucht auf. Schönheit als Sprengstoff ( also Abgrenzung von dem was konventionell als schön gesehen wird, Veränderung). Besteht Schönheit aus zwei Teilen? Also: ein „perfekter“ Teil, der mathematisch erklärbar, reproduzierbar ist, und einen „Bruch“, das Unerwartete, das was „von Innen kommt“, die zusätzliche Dimension, das Nicht-Reproduzierbare? Mit dem Gedanken, ob hübsch quasi 2D und schön 3D ist, tauchen wir in unser Thema der Woche.

In den nächsten Tagen geht es um Dimensionen und die Umwandlung von 2D-Objekten in 3DObjekte und umgekehrt. Eschers Bilder zeigen uns Dimensionsübergänge und lassen andere Dimensionen aufblitzen. Hilfreich ist, zu verstehen, was es bedeutet, Teil einer Dimension zu sein und eine andere wahrzunehmen. Wir lernen, wie man den Flachländern (zweidimensionalen Wesen) die Dreidimensionalität erklärt. Auf die gleiche Weise können wir uns selbst auch die Vierdimensionalität erklären. Entspricht das Raumempfinden unseres Körpers einem Würfel? 6 Seiten: oben, unten, vorne, hinten, rechts, links.

Wie lassen sich ausgewählte Bilder von Escher aus der Zweidimensionalität in die Dreidimensionalität übertragen? Wir versuchen es mit Papier, Licht und Schatten, mit Fäden und Schaschlikspießen. Tim baut Dodekaeder und macht Reptiles und sich selbst flach, Kera projiziert Three Worlds und filmt ein Fuß-Krempeltier auf kleinem Treppchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anne bastelt Pop-Up Karten und beschäftigt sich mit Stereoskopie (Bildern die einen räumlichen Eindruck vermitteln, der physikalisch gar nicht vorhanden ist).
Hanna versucht die Aufteilung des Bodens in Magic Mirror nachzuvollziehen und lässt Echsen tanzen.

Chaotisches Schreiben, 21 Minuten, Tim

21 Minuten Zeit für Raum. Der Raum füllt sich mit Zeit, die Zeit nimmt sich den Raum, Zeitraum, Raumzeit, Reise. Einstein im Nacken. Wie war das nochmal, das mit der Relativität? 21 Minuten sind relativ lang. Wieviel Raum nehmen sie ein? Egal. Dimensionen haben ja erstmal nix mit der Zeit am Hut. Aus jeder Ecke kommen Linien raus. Je nach Dimension unterschiedlich viele. Bei uns sind‘s drei. 3, in Worten: drei. Einigkeit, Faltigkeit, der Raum wird gefaltet, die Raumzeit gekrümmt, der Zeitraum langsam geflutet, bis nur noch Luft zum Atmen da ist. Luft ist fast überall und füllt den Raum. Ich bin eine Luftpumpe. Der Raum um mich herum füllt sich beständig mit Luft, die ich ausatme und meine Lunge füllt sich mit der Luft des Raums. Kann ich den Raum spüren, den ich atme? Kann ich ihn sichtbar machen? Die Echse schnaubt auf dem Höhepunkt ihres Wendekreises deutlich aus. Escher hat’s gesehen und kann’s bezeugen. Kann ich den Raum beweisen, den ich behaupte? Muss ich vielleicht gar nicht. Aber behaupten kann ich ihn, wenn nur eine*r Lust hat, mir zu glauben. Illusion kann lustvoll sein. Den Raum nehm‘ ich mir und fliege lustvoll in den Weltraum, schau mir die Sterne an, wie sie schön funkeln. Kleine Supernova hier und dann, zwischendurch. Supernövchen sozusagen. Diminutiv, Verkleinerungsform.

Explosiv, Vergrößerungsform.

Lass uns den Raum aufblasen, bis der Würfel platzt. Luftballon im Gitternetz der Dreidimensionalität. Und dann gibt’s nen Riesenknall, der dir die Farbe nur so in’s Gesicht spritzen lässt. Und dann leisere Töne, die dein Trommelfell von ferne kitzeln, nur ganz leicht, so dass du’s kaum hörst. Kann ich Klang atmen, wie den Raum? Hörst du den Raum? Der schalltote Raum soll ganz schön heftig sein. „Gewohnheitssache“ sagt Foucault und schmiert sich noch nen Bagel. Der hat ein Loch in der Mitte, ich kann durchschauen. Ein Loch mit nem Schlauch drumherum. Wenn du durchkriechst, durch den Schlauch, kannst du das Loch aber nicht sehen. Kriechst immer weiter um die Kurve ohne Ende. Bis du auf die Idee kommst zu krümeln. Dann merkste ganz schnell, dass du immer im Kreis kriechst.

Und dann?

Raus? Landvermessen?

Weiterkrümeln?

Hänschenklein ging allein in den weiten Raum hinein, äh hinaus. So zog er also aus, den Raum zu vermessen, die Krümel hat er nicht vergessen. Denn wer die Daten hat, hat das Wissen, hat die Macht. Wer die Krümel hat, findet auch wieder raus. Gaus. Gaus die Maus. Hat der nicht auch…? Ah, ja, Kehlmann fragen. Kehlmann sagt: „Zwei Männer vermessen die Welt.“ Wäre es vermessen zu fragen, was das soll? Lass uns den Raum doch lieber füllen, statt ihn zu zergliedern. Füllen mit Ideen, Schleim, Wesen, Fantasie, Formen, Lebendigkeit!

 

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