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#36 Keine Wahrheit in der Höhle des Gleichen Logbuch Woche 1

Ziel: Materialsammlung /Recherche /Herausarbeiten von Charakteristika Echokammer:

Fragen:

-Wie funktioniert eine Echokammer?

-Was macht sie reizvoll?

-Welche Art von Echokammer ist für uns künstlerisch interessant?

-Welche inhaltlichen Punkte sind beschreibbar?

Ergebnis-Bubble Woche 1 (Quellen: Internet, Papers, Internet, WWW):

Soziale Homophilie, ein grundlegendes psychisches Phänomen, das darin besteht, dass wir uns mit Anderen umgeben, die die gleiche Meinung wie wir haben. In der Echokammer tritt nun genau dieses Prinzip zu Tage. Im Gegensatz zu realen Räumen kann man in den virtuellen schneller Kontakte knüpfen. Definiton: “the process by which similarity breeds connection“

Hochpolitische Debatten haben das Potenzial, Gruppenidentitäten zu stärken.

Selective exposure, bewusstes Ausblenden von bestimmten Inhalten oder Akteuren

Filterbubble, Beeinflussung von User-Verhalten und das Vorenthalten von bestimmten Inhalten, erzeugt durch einen Algorithmus. Diese Phänomene begünstigen das Entstehen sogenannter Echokammern.

Parallele zu Verschwörungstheorien – Die Konfrontation mit der gegenteiligen Meinung führt nicht zu einer Debatte oder Austausch, sondern zur Stärkung der eigenen Überzeugung.

Neue Handlungsspielräume in Gesellschaft, Sexualität und Politik, aber auch Möglichkeit, soziale Interaktion zu vermeiden und den gefühlten Zwang, die Angebote auch wahrnehmen zu müssen.

Keine Wahlfreiheit bei den Regeln, die die Applikation vorgibt.

Das reale Leben wird schon in der Logik der virtuellen Welt bewertet und antizipiert, und evtl. Handlungsmustern angepasst. (Bsp: Foodies und Nasen-OPs)

Aus Sicht des Systems auf Echokammer schauen – weg von Individuen und hin zur Analyse der Eigenlogik des System und seinem Selbsterhalt.

Definiton: Homophily – the process by which similarity breeds connection“

Echokammern werden im Zusammenhang mit Radikalisierung von jungen Muslimen außerhalb ihres Heimatlandes diskutiert, vor allem aber im Kontext des Phänomens der „Group Polarization“.

„… they interpret their perceived discrimination in the context of moral violations against muslims elsewhere, and the notion that their local grievances are part of a more general hostility against Islam appears more compelling to them.”

Die Bereitschaft, gewaltvolle Akte auszuüben resultiert aus der Interaktion in zweierlei sozialen Netzwerken: Face-to-Face Gruppen und ‚virtual online groups‘. Zu den ersten gehören radikale Moschee-Gruppen, die zum großen Teil aus Muslimen bestehen, die in den Westen gekommen sind, um zu studieren. Diese erzeugen im extremen Fall eine Form der ‚collective identity‘, deren Mitglieder beginnen, in ihrer eigenen Welt zu leben. Die In-Group entwickelt eine Form der „in-group-love“ die dazu führt, dass die Gruppe als eine interaktive Echokammer fungiert und den Glauben an Verschwörungstheorien bis zum Hass ermöglicht.

Group members are not exactly irrational; instead, their sources of knowledge become sharply limited. They come to rely exclusively on one another to validate new information, and everything they believe is a product of interactions within their enclave. Thus information refuting their beliefs is discarded as propaganda from the west. This progress is progressive. Those who believe that the group has gone too far in ther growing radicalization peel off through the process of self-selection. Only the true believers remain.”

Extremisten sind nicht per se irrational, auch wenn die Loslösung einer Gruppe von der Gesamtgesellschaft, und der Verzicht auf Informationen aus anderen Quellen als der polarisierten In-Group paranoides Denken befördern kann, das der Outgroup immer das Schlimmste unterstellt. Doch im Rahmen ihrer „Realität“ denken sie rational, und können nicht pauschal als paranoid dargestellt werden.

Positives Potenzial von Echokammern/Polarisierten Gruppen
Gesellschaften können von polarisierten Gruppen profitieren, weil aus extremen, radikalen Forderungen Fortschritt und Innovationen hervorgehen können. In Gruppen von Leuten mit den gleichen Interessen und mit den gleichen Problemen können Kreativität, Lernen und Innovationen gefördert werden. Eine Gesellschaft mit einer Diversität von Echokammern kann aus einem größeren Argumentpool schöpfen, die einzelnen Gruppen interagieren zwar nicht direkt miteinander, aber ihre (politischen) Meinungen oder Impulse können in den politischen Diskurs eingehen.
Die Gruppen selber sind dann in sich polarisiert und nicht divers (first-order-diversity nicht gegeben), aber es gibt auf Ebene der Gesellschaft eine Diversität der Meinungen (second-order-diversity).

In Echokammern tritt das Phänomen des Silencing oder Self-Silencing auf, dass bestimmte Meinungen oder Argumente zensiert.

Medien-Priming bezeichnet einen Effekt aus der Medienwirkungsforschung, der Veränderungen von Bewertungsmustern und damit von Entscheidungen der Medienkonsumenten aus medial vermittelten Informationen heraus erklärt. Vereinfacht ausgedrückt besagt der Effekt, dass Medienkonsumenten spezifische politische Akteure bevorzugt nach denjenigen Kriterien beurteilen, die in der allgemeinen Medienberichterstattung verstärkt thematisiert wurden. (Zitat Wiki)

 

In sozialen Netzwerken treten verstärkt aggressive Verhaltensweisen zu Tage.

“Whether aggressive behavior can be primed more easily on social media ought to be a question of great importance, as more than 50 percent of social media users report unpleasant social interactions on platforms when attempting discuss issues in the media”

Integrale Bestandteil der Echokammer ist es, dass die Teilnehmer fälschlicherweise glauben ihre Meinung/Einstellung/ Argumente sind die vorherrschenden. Die Architektur/Algorithmus von Social Media Plattformen unterstützt diesen Effekt.

Echokammern bergen das Potential eine Gesellschaft zu polarisieren/radikalisieren und ihrer Akteure gewaltbereiter zu machen.

Echokammern ziehen gegeneinander in den Kampf.

Posts, die auf Social Media Plattformen geteilt werden, werden eher als Äußerung des „Posters“ wahrgenommen, statt als Statement des Herausgebers. Die Bewertung des Posts wird von der Beziehung zum Poster überlagert.

Biases werden nicht durch reflektiert Meinungsbildung geprägt, sondern schlicht durch das Konsumieren von News/FakeNews/Pos ts…. Man-ist-was-man-frisst-Effekt

Paradox: Einerseits bietet das Internet unendlich Möglichkeiten der Bildung, Information …. Andererseits scheint es uns in Echokammern zu treiben die Auseinandersetzung mit genau dieses Meer an Informationen unterbinden.

Humanistische Ideale, wie Streben nach Gerechtigkeit, Aufklärung werden durch Phänomene wie Priming und Echokammern in Frage gestellt.

Quellenprüfung und journalistische Sorgfalt eines Posts sind weniger wichtig als die Beziehung zum Poster.

Frage für die 2. Arbeitswoche: Wie kann man diese Inhalte künstlerisch umsetzen?

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